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Künstler des Monats September 2014 Steven T. Schreiber

Verfasst von Ivo Haarmann am Dienstag, 05 August 2014. Veröffentlicht in Künstler des Monats

Jeden Monat küren wir einen herausragenden Künstler - diesmal: Steven T. Schreiber

Künstler September 2014 Steven T. Schreiber

Wir haben uns in diesem Sommer sehr von dem Künstler Steven T. Schreiber inspiriert gefühlt und möchten auf seine einzigartige Kunst aufmerksam machen.

Nachdem sich das Team von Webkunstgalerie  intensiv mit seinen Werken auseinandergesetzt hat, haben wir uns dazu entschlossen, in diesem Monat Steven T. Schreiber die Kunstauszeichnung  „Künstler des Monats“ zu verleihen.

Wir freuen uns, Ihnen im Folgenden einen Überblick über Steven T. Schreibers Person und sein Schaffen zu geben. Vor 49 Jahren wurde Steven T. Schreiber in Görlitz geboren. Heute lebt der Künstler in Istein und Rümmingen. Hier befindet sich auch das Atelier des Künstlers. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft zur Kunst. Im Alter von 12 Jahren war es eine Federzeichnung, die der Künstler rückblickend als Schlüsselmoment bezeichnet. In seiner frühen Schaffensphase, die Zeit vor der Jahrtausendwende, war sein Schaffen geprägt von Kritik und Zweifel an der politischen Situation und den Lebensumständen. In diesen frühen Jahren entdeckte Steven T. Schreiber auch seine Begeisterung für den Surrealismus. Eine besondere Faszination übten zu diesem Zeitpunkt die Werke Salvador Dalis auf den Künstler aus. Diese Faszination für den Surrealismus war prägend für die erste große Schaffensphase Schreibers. In einer Zeitspanne von mehr als 30 Jahren entstanden ca. 400 vom Surrealismus geprägte Ölgemälde und in etwa 300 surrealistische Graphiken und Blätter.

Betrachtet man die Werke dieser Zeit, ist der starke Einfluss, den Dali auf Schreiber genommen hat, mehr als offensichtlich. Gemälde wie „luzider Traum“ oder „wenn die Bienen gehen, gehen wir“ lassen den starken Einfluss, den Dali auf Schreiber in dieser Zeit ausgeübt hat, nicht verleugnen.

Im Jahr 2000 ist dann eine große Wende im Schaffen des Künstlers offensichtlich. Es scheint, als habe Schreiber mehr und mehr zu seinem eigenen Stil gefunden. Der Surrealismus tritt in den Hintergrund. Im Vordergrund steht nunmehr die Kreisform. Diese hat Schreiber schon seit Kindestagen fasziniert: „interessiert mich vor allem der Freiraum zwischen den Kreisen: der Raum, der entsteht, wenn sich drei Kreise aneinanderfügen und berühren. Die Unendlichkeit nach Innen – die mir als Kind innerhalb des quadratischen Denkens nicht nachvollziehbar erschien – hat sich mir nun erschlossen: Wenn ich in einen Freiraum zwischen drei Kreisen erneut einen Kreis einpasse, erhalte ich gleich drei neue Freiräume. So geht das endlos weiter – ein tatsächliches mögliches Ende erscheint nie.“ Das Thema „Kreis“ wird zum zentralen Punkt in den Werken Schreibers. Schreiber hat sich sein Handwerk selbst beigebracht. Gleich ob Zeichnungen oder Skulpturen in unterschiedlichen Techniken, alles hat sich der Künstler autodidaktisch angeeignet. Ein Projekt, dem sich Steven T. Schreiber seit 2013 widmet ist „Erz der Zwerg“, ein sich ab und an wandelndes Kunstwerk auf Wanderschaft, das stets auf der Suche nach einem Standort ist. In diesem Projekt spiegelt sich ach das Motto des Künstlers wider: „Wesentlich ist nicht so sehr, was genau vor unseren Augen liegt, sondern vielmehr die Art des Blickes und die Aufmerksamkeit mit dem wir uns ihm zuwenden.“

Schon seit 1978 präsentiert Steven T. Schreiber seine Werke einem interessierten Publikum auf zahlreichen Ausstellungen und Vernissagen. Vor allem in der Region Südbaden werden die Werke des Künstlers immer wieder ausgestellt. Gerne übernimmt der Künstler auch Auftragsarbeiten aus den Bereichen Restauration, Wand und Deckengemälde, Porträt-malerei und Fassadenmalerei. Er scheint klar politisch Stellung zu beziehen, wie z.B. im Hauptraum seiner Galerie, mit dem Gemälde:

  Wie nennen wir es eigentlich 

Ein satirischer Unterton ist durchaus sichtbar und auch gewollt.

Spielerische und kindliche Züge verarbeitet Schreiber in den Schneewittchen- und Erzreihen, die ihn sehr lebhaft und leidenschaftlich als Künstler wirken lassen.

 Zur Online Kunstgalerie von Udo Gelden

 


Wie immer haben wir Fragen zusammengestellt, die wir dem Künstler gestellt haben, um einen Einblick in sein Wesen und sein Schaffen zu bekommen. Herr Schreiber war so freundlich uns ein umfassendes Exklusiv-Interview zu geben, welches wir hier wiedergeben möchten:

1. Wie kamen Sie zur Kunst / Malerei (gab es ein Schlüsselerlebnis oder ist es ein inneres Bedürfnis von Ihnen)? 
Beides trifft zu, denn durch ein Schlüsselerlebnis entdeckte ich mein inneres Bedürfnis. Als Kind im Alter von 12 Jahren, während des Kunstunterrichtes in der Görlitzer Carl von Ossietzky Oberschule: Die Fragestellung war, sich als Hausaufgabe über das Wochenende einer Sportart nach Wahl mit Pinsel und Wasserfarben zu widmen. Ich entschied mich für das Sport- (Degen-) Fechten und verbrachte, zum Erstaunen meiner Eltern, das gesamte Wochenende damit, es irgendwie hinzubekommen.

Und ja am Ende war ich tatsächlich wider Erwarten der Meinung, das Malen und Zeichnen könnte ich erlernen. Obwohl mein damaliger Zeichenlehrer mich nicht sonderlich mochte (was ausgesprochen auf Gegenseitigkeit beruhte) ließ er meine "Degenfechter" gut sichtbar im Eingangsbereich des Schulhauses dieser Schule mit rund 800 Schülerinnen und Schülern aushängen.

Von diesem Erlebnis getragen, begann ich pausenlos in Form von Tusche- und Federzeichnungen nun meine Stadt künstlerisch darzustellen. Gern erinnere ich mich an erste Auftragsarbeiten über beliebte Bauten und Plätze der Görlitzer Altstadt (im Alter von 13 Jahren), für die ich damals zwischen 15-20 Mark pro Blatt von einer kleinen Galerie in der Görlitzer Jakobstraße erhielt. So konnte ich z.B. pro verkauftes Blatt 50-60 Mal mit der Straßenbahn fahren. Auf diese Art lernte ich den damals sehr bekannten Görlitzer Stadtzeichner Günter Hain kennen, extrem flink und sicher, sei es mit Tusche oder Kohle. Ich durfte ihm dabei, wann immer ich Zeit hatte, über die Schulter schauen.

2. Welchen Stellenwert nimmt die Kunst in Ihrem Leben ein? Malen Sie eher für Sich oder für Andere?
Mittlerweile einen extrem wichtigen. Und wieder stimmt hier beides, ein wunderbares Zitat, das ich auch in einem meiner Werke "mit goldener Feder" thematisiert habe, passt hier gut: "Alles was ich für mich mache ist für andere, alles was ich für andere mache ist für mich."

3. Welche Inspiration brauchen Sie beim Malen? (Malen Sie aus einer Stimmung, einer Situation oder einem Erlebnis heraus)
Lassen sie mich vielleicht diese Frage mit einer Aussage des von vielen wie auch von mir sehr geschätzten amerikanischen Portraitkünstlers Chuck Close beantworten: "Inspiration ist für Anfänger". Das klingt zugegebenermaßen erst einmal recht arrogant und überheblich. Doch wer sich mit diesem Menschen beschäftigt (von dem gesagt wird, er sei das politische Gewissen unter den amerikanischen Künstlern), weiß bald, dass es so nicht zu verstehen ist. Vielmehr soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass nach langen Jahren...man morgens eher schaut, welche der vielen anklopfenden Inspirationen gelöscht oder zunächst in das Zwischenfach abgelegt werden müssen, um sich ohne Verzug der weiterführendsten darunter zu widmen, die einen das Werk dann gleich beginnen oder fortführen lässt, denn so fängt man Tag für Tag ganz einfach am besten einfach... an.

 4. In welcher Stilrichtung würden sie ihre Kunstwerke ansiedeln und was beutetet diese Ausdrucksart für Sie?
Gute Frage, nächste Frage... nein, das zu beantworten, fällt mir zumindest seit ich im Hauptwerk meiner Arbeiten "eben so meine Kreise ziehe" wirklich (zunehmend) schwer. Vielleicht würde ich diesen Stil, sollte ich ihn neu beschreiben, als eine Art kreativen Nomadismus in Kreisen benennen, kurz:

Circledismus vielleicht? Ich weiß es nicht, vielleicht deshalb, weil es mir nicht so wirklich wichtig ist.

5. Wie entwickeln sie Ihre Motive? Erzählen sie uns etwas über den Entstehungsprozess und die Auswahl ihrer Motive.
Manchmal ist es genau umgekehrt, so gewinne ich in letzter Zeit mehr und mehr den Eindruck, die Motive finden mich. Insbesondere wenn ich gerade das Gegenwärtige mit meiner Übersetzung widerzuspiegeln beabsichtige. Vielleicht fokussiere ich den Blick dabei etwas mehr, oder ich forme mit meinen Händen schon mal zur Probe eine geistige Leinwand um das Motiv. Das wiederum kann bei mir ALLES und aus wirklich allem sein. So verändere ich im Gegenständlichem oder Naturellem vielleicht zwei, drei Mal den Blickwinkel, im symbolischen, surrealem oder politischen auch, nur eben mehr vor dem geistigen Auge. Danach weiß ich (in der Regel, ja ...sicher, es gibt auch Ausnahmen), ob mich das Motiv dann zum Beginnen motiviert.

Je länger dieser Prozess andauert, umso intensiver beschäftigt und begleitet es mich. Dann mogelt sich jenes Motiv auch immer wieder schon mal in andere Themen hinein. Schichten interessieren mich sehr, und in Schichten arbeite ich. Es gibt nicht wenige Werke, die zehn Farbschichten tragen. Bei einigen wenigen mir sehr wichtigen Werken,

nach zum Teil jahrelanger Arbeit an diesen,  kann eine solche Schichtenansammlung schon mal von einer weiteren elften oder gar zwölften schier so weit begraben werden, dass vom einstigen Motiv nur noch kleinste Inseln verbleiben deren thematische Zuordnung sich dann nur noch dem Betrachter erschließt, der das thematische Werk vor dieser neuen Tragschicht kannte. Denn von nun an dienen diese Inseln nun mehr als Pfeiler, Fundamente oder Puzzle für weitere Motive oder Themen, jedoch meist noch im Kontext mit dem nun verborgenem Thema oder Motiv stehend.

6. Können Sie uns die verwendete Maltechnik und Farbauswahl Ihrer Kunstwerke näherbringen?
Ja, gern. Überwiegend bevorzuge ich es, selbst größere Flächen mit eher kleinem Pinsel so zu bearbeiten, das der Strich sichtbarer bleibt, den ich dann mit fast rhythmischer Bewegung wie Strömungslinien, ähnlich derjenigen auf Wetterkarten, oder an die von Vincent van Gogh erinnernd, jedoch niemals pastös (abgesehen von großformatigen- abstrakten Auftragsarbeiten) , sondern um ein vielfaches dünner, fast transparent, sodass eigentlich nur der Rand der Pinselhaare die Konturen einer Farbe aufbaut. So erziele ich beim Mischen der Farben direkt auf der Leinwand manch interessanten Effekt, indem ich die Kontur der nächsten Farbschicht zwischen die Konturlinien der vorherigen setze.

Bei der Farbauswahl arbeite ich überwiegend im Bereich bestehender Dreiklang-Farbharmonien (Magenta bis Rotorange zu Cyanblau bis Blaugrün, zu Gelb bis Gelborange); gebrochene Komplementär-Harmonien eher im graphischen Bereich bzw. beim Aquarellieren (warmes Rotviolett bis kaltes Blauviolett - ein besserer Ersatz für schwarze bzw. graue Schattenpartien).

7. Was unterscheidet Ihre Kunst / Techniken von anderen Künstlern?
Eine extrem schwierige Frage. Das strebe ich zum einen nicht gezielt an, kann es somit auch nicht direkt beschreiben, zum anderen muss ich eingestehen, dass mir diese Frage eben unmissverständlich vermittelt hat, mich mal wieder öfter mit der Kunst und den Techniken anderer Künstler auseinander oder doch viel besser zusammen zu setzen, vielleicht fragen Sie mich dazu später noch einmal.
 

8. Welches Ihrer eigenen Kunstwerke bedeutet Ihnen persönlich am Meisten und warum?
Es ist mir seltsamerweise nicht möglich,  "EINES" ...sagen wir in eine Art von elitärem Kontext den anderen gegenüberzusetzen. Lassen sie mich hier bitte als geborene Waage den Drang nach Ausgleich mit einer Gleichstellung zur Ihrer nächsten (ja auch sehr verwandten) Frage herstellen. Es sind drei, die mir besonders am Herzen liegen. Zwei kann ich aus meinem bisherigen Schaffen sofort benennen:

1. INRI IRIS IN INDIGO"
&
2. "Durstige Affen in Tübingen 2014!!!"

Das dritte ist jeweils immer dasjenige, an dem ich aktuell arbeite. Im Laufe der 5. Frage habe ich das Warum der ausgewählten beiden Bilder bereits beantwortet. Unter dem 1. Werk befinden sich also zwei jeweils übermalte Werke, deren fotografische Dokumentation ich bewusst vernichtet habe. Mal was für später gemalt, was für die Durchleuchtung. Diese drei Motive mit je 4 Farbschichten also insgesamt 12 mit dem heute nur noch sichtbaren INRI IRIS...sind über einen Zeitraum von fasst zwölf Jahren entstanden.

Das 2. Werk, entstand in knapp zehn Jahren es thematisiert unseren Umgang mit unseren Mitbewohnern auf diesem (unseren?) Planeten, deren Vorfahren bereits lebten, als unsere noch nicht mal ansatzweise einem Affen ähnlich sahen. Hier existiert die Archivierung der unterschiedlichen Phasen der Veränderung in vollem Umfang. Von der neunten Schicht, (von insgesamt 10), existieren z.B. nur noch kleinste Inseln,  rund 70 % jener neunten Schicht entstanden in über zwei Jahren hoch filigrane Stromlinienförmig angeordnete Wellen, welche dann wieder mit der zehnten Schicht im Jahr 2013 vollendend übermalt wurde.

9. Wenn Sie sich drei Kunstwerke aller Museen dieser Welt für Ihre Räumlichkeiten / Wohnung aussuchen könnten - welche wären es?

1. Franz Marc "gelber (auch liegender) Hund im Schnee"
2. Beatrix Sassen "Licht im Kopf" (so schön für nen Garten)
3. Salvador Dali "Metamorphose des Narziss"

10. Wo, wann und wie kann man Ihre Kunst besichtigen? (Gibt es aktuelle Ausstellungen)
 Bei Interesse können meine Arbeiten nach Absprache direkt vor Ort: "kleines Atelier im großen Haus" im südwestlichen Dreiländereck D - F - CH besichtigt werden, dazu einfach auf meiner Homepage stevesart.de auf dem Kontaktformular einen Termin mit mir abstimmen. Ebenfalls informiere ich auf dieser Adresse über aktuelle, sowie kommende Ausstellungen und Projekte.

Wir danken dem Künstler für das Interview und wünschen Ihm weiterhin viel Schaffenskraft...


Hier sehen Sie einen Auszug von Kunstwerken, die uns besonders angesprochen haben.

1. Kunstwerk - Es gibt kein EisMeer - Kinder:

es gibt kein Eismeer Kinder

 

 


2. Kunstwerk -Wenn die Bienen gehen - gehen auch wir:

 

Wenn die Bienen gehen gehen auch wir

 


3. Kunstwerk - Wie nennen wir es eigentlich:

wie nennnen wir es eigentlich

 


 

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