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Künstler des Monats September 2013 Marina Rosemann

Verfasst von Ivo Haarmann am Sonntag, 01 September 2013. Veröffentlicht in Künstler des Monats

Jeden Monat küren wir einen herausragenden Künstler - diesmal: Marina Rosemann

Künstler des Monats September 2013 Marina Rosemann

Nach einer eingehenden und ausführlichen Betrachtung Ihrer Werke, haben wir uns dazu entschlossen Marina Rosemann zum Künstler des Monats September zu küren.


Alles Tuti - oder was?
Die sich selbst im Tuti-Wahn bezeichnende Künstlerin Marina Rosemann vermittelt mit Ihren Werken eine sympatische Unbeschwertheit. Die Künstlerin transportiert dabei mit den runden Formen Ihrer kubistisch anmutigen Frauenkörper nicht nur Ihren eigenen Stil - sondern vermittelt mit Ihnen Ihre ganz persönliche Lebensphilosophie. Eine Lebensphilosophie die auf Freiheit und eben dieser Unbekümmertheit beruht. Sie rüttelt ungewollt hinsichtlich eines durch die Gesellschaft verkorksten sehr eingeschränkten Schönheitsideals wach und veredelt den Begriff der Schönheit, entfesselt Ihre eigene Ungezwungenheit derart, dass der Betrachter unmittelbar in den Bann Ihrer Kunstwerke mit enorm hohen Wiedererkennungsgrad geraten...

                                                                           

 

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Marina Rosemann

Die Künstlerin Marina Rosemann

 


Wie immer haben wir Fragen zusammengestellt, die wir dem Künstler gestellt haben, um einen Einblick in sein Wesen und sein Schaffen zu bekommen. Marina Rosemann war so freundlich uns ein umfassendes Exklusiv-Interview zu geben, welches wir hier wiedergeben möchten:

1. Wie kamen Sie zur Kunst / Malerei (gab es ein Schlüsselerlebnis oder ist es ein inneres Bedürfnis von Ihnen)?
 "Die Gene ruhen sich in der nächsten Generation aus",  bemerke eines Tages meiner, auf dem Gebiet der Atomphysik und Mathematik gut situierter Papa, als ich schon wieder eine "mangelhaft" in Mathe aus der Schule mitgebracht  hatte,  "Eine richtige Naturwissenschaftlerin  wird aus dir wohl nie werden. Leider. Versuch es doch mit etwas anderem: mit Geschichte vielleicht oder... mit Ballett.“

Nun, das mit dem Ballett, das war natürlich eher als Geck gemeint: schon damals bestand mein Körper nur aus lauter Kugeln und Wölbungen.  (Diese Kugel und Wölbungen sind immer noch meine treue Begleiter, jetzt allerdings in Form meiner nie enden wollenden Tutis).

Damit war die Frage mit meiner beruflichen Zukunft vorerst gelöst. Sechs Jahre lang blieb ich an der Uni, in die Geschichte des Altertums und in die arabische und hebräische Sprache vertieft. Zehn Stunden am Tag, an den Wochenenden - zwölf. Meine Gene sollten ordentlich gedrillt und gefördert werden, damit sie endlich doch wach und seriös werden, meine Gene. Meiner lieben, hochbegabten Familie zuliebe.

Nach dem Studium änderte  sich mein  Arbeitstag nicht: mein Leben im damaligen Ost-Berlin bestand ausschließlich aus Lesen und Schreiben. Meine Sehbrille wurde dadurch immer dicker, meine Schreibmaschine  immer  heiserer. Es gibt viel zu tun, glaubte ich.

Ich beschäftigte mich gerade mit dem intellektuellen Nachlass des jüdischen Propheten Schabbetai Tzwi, der am Ende seines schillernden, kurvenreichen Lebens seine Unsterblichkeit doch zugunsten der Liebe zu einer ganz normalen Frau aufgegeben hatte, als meine Schreibmaschine plötzlich „starb“. Dies geschah mitten im Jahr 1666, am neunten Tag des schwülen Monats Av. So eine Verräterin, zischte ich. Dass sie ausgerechnet im entscheidenden Augenblick so etwas Mieses tut!

Mir blieb nichts anders übrig, als endlich aufzustehen und mein Arbeitszimmer zu verlassen. Die Schreibmaschine musste ja in die Werkstatt.
Auf der Straße hatte sich inzwischen einiges verändert. Ich erkannte sie nicht mehr, diese Strasse: sie gehörte einer Welt, die nicht mehr meine war. Oder war ich es, die nicht mehr zu dieser Welt gehörte? Die Kinder fütterten ihren Hund mit einer Banane. Seit wann gab es bei uns plötzlich Bananen? Unsere Nachbarin, Frau Grosch, eine sonst immer recht freundliche und nette alte Dame, schleppte ein überdimensionales Videogerät über die Straße. Seit wann gibt es bei uns Videogeräte? "Darauf mussten wir 40 Jahre lang warten" sagte die alte Frau, "Und dass die Russen endlich weg sind".
Mein spontaner Wunsch, ihr zu helfen, war sofort verflogen.
An der U-Bahn -Station "Lichtenberg" stand ein neuer Obdachloser. Seit wann gab es bei uns Obdachlose? Der Mann hielt eine Plastiktüte in der Hand mit einem Goldfisch drin.
"Und Du?" fragte er mich, auf die Schreibmaschine in meiner Hand deutend, "Kannst  Du mir bittschön verraten, wie ich nun unter den neuen historischen  Umständen meinen alten Goldfisch weiter ernähren soll?"
Ich zuckte die Achseln. Was konnte ich dem Mann und seinem Goldfisch antworten? Ich war ja nicht von heute. Immer nur mit Lesen und Schreiben von Geschichtsbüchern beschäftigt, hatte ich nicht mal gemerkt, wie direkt hinter unserem Hause die Berliner Mauer wackelte und auseinander fiel.
Als ich später nach Hause kam, verspürte ich keine Lust mehr, in das siebzehnte Jahrhundert zurück zu kehren. Die Weisen und Propheten brauchen mich nicht mehr, beschloß ich, Aber die Menschen, die jetzt da draussen sind vielleicht schon?  Ich wollte nicht mehr alte Bücher und Schrifte lesen, ich wollte den Obdachlosen mit seinem Goldfisch beschreiben, die Kinder, die nicht mehr die Träume ihrer Eltern schätzen, die alte Dame, die ihr ganzes Leben lang auf etwas Konkretes und doch Vergängliches  gewartet hatte. Ja das wollte ich, unbedingt, und zwar sofort, eher diese Menschen mir entwischt waren. Aber wie soll ich sie alle Papier bringen? „Baruh-Ata-Adonai…?“ Mit denselben Wörtern, die ich aus den alten Texten kenne? Andere Ausdrucksmittel kannte ich ja nicht. Sackgasse?

Hilflos wanderte mein Bleistift auf dem Papier hin und her. Ich merkte nicht mal, wie sich meine Worte in Bilder verwandelten.
 Am Abend, als mein Mann, genervt wegen dem völligen Umbruch in seinem Institut, nach Hause kam, zeigte ich ihm, was mein Bleistift so alles getan hatte. Nur einen kurzen Blick warf Michael auf die Zeichnungen, runzelte die Stirn und da lachte er plötzlich, und wie er lachte… Auf einmal sah er fröhlich und erholt, ja glücklich aus. Als ob unsere Welt und unser Leben doch ganz in Ordnung wär. Und vielleicht waren sie auch in Ordnung, so wie ich sie sah? Vielleicht waren wir in diesem Augenblick endlich richtig glücklich und frei? Und vielleicht sind wir es immer noch?

Seitdem, bald sind es schon 25 Jahre, tue ich nichts anderes meine Bilder zeichnen, malen, gestalten. Nix Geschichtsträchtiges mehr – nur glückliche und entspannte Menschen, so wie ich sie sehe, fühle und liebe. Dabei ruhen sich meine Gene vollkommen aus. Das weiß ich, das sehe ich und ich rege mich nicht mehr darüber kein bisschen auf. Ich lasse sie gerne faulenzen, meine Genen, und auch keine große Ambitionen haben. Was soll ich tun, wenn sie nun mal so unseriös und leichtfüssig geraten sind?...
 

2. Welchen Stellenwert nimmt die Kunst in Ihrem Leben ein? Malen Sie eher für Sich oder für Andere?
Die Kunst ist die Luft, die ein Künstler ausatmet. Diese mit dem eigenen "ich" angereicherte Luft ist absolut notwendig, sonst droht Erstickungsgefahr. Dabei ist es nicht entscheidend, ob dieser Künstler zu den sogenannten "Ganz Großen" gehört oder "nur" als Laie hin und wieder zu den Malutensilien greift. Wichtig ist die Unvermeidbarkeit dieses Prozesses. Darum kann ich auf die Frage "für wen malen Sie?" nur mit einem "aber sicher für mich" antworten. Wenn meine Werke einem anderen Menschen auch etwas  bedeuten und ihm auf die eine oder andere Art Freude bereiten - dann bin ich natürlich glücklich. Und wie ich glücklich bin...
 

3. Welche Inspiration brauchen Sie beim Malen? (Malen Sie aus einer Stimmung, einer Situation oder einem Erlebnis heraus)

Natürlich gibt es auch für mich, wie für jeden anderen mehr oder weniger feinsinnigen Menschen eine Menge üblicher Impressionsquellen: von einem Korb frischgepflückter Maulbeeren und dem zahnlückenreichen Lächeln eines Erstklässlers bis hin zu den malerischen Flamenco-Tänzerinnen und den postkartenreifen Sonnenuntergängen, aber... Aber nichts inspiriert mich mehr als das weiße Blatt Papier oder auch eine jungfräulich schimmernde Leinwand, die mir so aufmunternd von meiner Staffelei zulächelt und mir bei meiner Arbeit Mut gibt. Der Rest kommt dann von selbst: aus allermöglichen Lebensecken.

 4. In welcher Stilrichtung würden sie ihre Kunstwerke ansiedeln und was beutetet diese Ausdrucksart für Sie?
Treue ist gewiss nicht meine Stärke, was die Stilrichtung meiner Kunst betrifft.  Auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten habe ich mich mit wechselhaftem Erfolg in verschiedenen Kunstsparten und Gattungen versucht. Lange Jahre habe ich ausschliesslich gegenständlich gemalt, mal in einer mehr klassischen, mal fantastischen, mal ironischen Form. Später folgten einige "Ausrutscher" in die reine Abstraktion und ins Designerisch-Dekorative,  bis ich endlich meine erste Tuti schuf, und damit wohl auch den Tutismus, den ich irgendwo in dem Dreieck Realismus-Naivität-Deco einsiedeln würde.
 

5. Wie entwickeln sie Ihre Motive? Erzählen sie uns etwas über den Entstehungsprozess und die Auswahl ihrer Motive.
Seit bereits geraumer Zeit wird meine Arbeit fast ausschliesslich von einem einzigen Motiv oder besser - einem Traum geprägt: der Tuti, der Frau, die ich leider nicht bin, die ich aber gerne sein würde, wenn die Lebensumstände es mir erlauben würden. Gutmütig, entspannt, lustig, naiv und vor allem - frei, frei von dem Diktat einer durch Perfektions- und Schlankeitswahn verseuchten Mode.
 

6. Können Sie uns die verwendete Maltechnik und Farbauswahl Ihrer Kunstwerke näherbringen?
Während meines mitlerweile nicht mehr so kurzen Lebenslaufes als Künstlerin habe ich öfters die Gelegenheit genutzt, verschiedene Ausduckstechniken auszuprobieren: von Blei- bzw Buntstiften, Feder, Linolmesser, Wollfetzen, Engoben und Keramikglasuren bis hin zu Computer-Maus und Wacom-pen. Seit ich allerdings meiner selbsterschafften "Tuti-Wahn" verfallen bin - bleibe ich strikt bei der Ölpinsel. Denn nur bei der Ölmalerei finde ich die seidig schimmernde, "schönfleischige" Substanz, die meine Tutis brauchen, sowie die Vielschichtigkeit und Langsamkeit, die bei der Entstehung eines Kunstwerkes notwendig sind.
 

7. Was unterscheidet Ihre Kunst / Techniken von anderen Künstlern?
Das Einzige, was meine Kunst von der anderer Künstler unterscheidet bin wohl ich selbst, das Zusammenspiel von allem, was ich bisher in meinem Leben erlebt, gefühlt, gesehen, gelernt (oder auch nicht gelernt) habe. Aber das ist doch auch bei den anderen Künstlern so, oder?
 

8. Welches Ihrer eigenen Kunstwerke bedeutet Ihnen persönlich am Meisten und warum?
Es ist immer das Bild, an dem ich gerade arbeite.  Also - "Die freischwebende Tuti in Feuerrot",  die in diesem Augenblick auf meiner Staffelei steht. (Stand 18.08.2013).

9. Wenn Sie sich drei Kunstwerke aller Museen dieser Welt für Ihre Räumlichkeiten / Wohnung aussuchen könnten - welche wären es?

  1. "Schlaraffenland", P.Breughel
  2. "Die Reiterin", K.Brullow
  3. "Der Junge mit der Laute", Caravaggio

 

10. Wo, wann und wie kann man Ihre Kunst besichtigen? (Gibt es aktuelle Ausstellungen)
Keine laufenden Ausstellungen z.Z.. Ansonsten unter: www.marina-rosemann.com

Wir danken der Künstlerin für das Interview und wünschen Ihr weiterhin viel Schaffenskraft...


Hier sehen Sie einen Auszug von Kunstwerken, die uns besonders angesprochen haben.

1. Kunstwerk -Stehende Tuti in Feuerrot:

Stehende tuti in Feuerrot

 


2. Kunstwerk -Drei tanzende Tutis:

 

Drei-tanzende-Tutis

 


3. Kunstwerk - Liegende Tuti in grün:

Liegende-Tuti-in-Gruen

 


 

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Kommentare (1)

  • Oleg

    Oleg

    24 September 2013 um 19:28 |
    Das sieht aus wie von einem dreijährigen Kind

    antworten

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