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Impressionismus

Verfasst von Ivo Haarmann am Samstag, 01 Dezember 2012. Veröffentlicht in Kunststile

Der Kunststil Impressionismus

Impressionismus

Aufbruch in der Kunst

Dicht gedrängt in nahezu atemberaubender Eruption überstürzt sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die abendländische Kultur und kündet von einer dramatischen Zuspitzung in der seelischen Verfassung des Menschen. Herkömmliche Wertvorstellungen und Sinnzusammenhänge, Tradition und Religion werden in Frage gestellt. In der Kunstgeschichte verlieren die Akademien ihre Bedeutung und seit Mitte der 1860er Jahre entsteht eine künstlerische Bewegung, von denen jede ihre eigene Definition und Philosophie hervorbringt.

 

Eine Schule, eine Sezession, ein Schisma folgt dem anderen und aus dem vielfältigen Suchen nach neuen, unverbrauchten Inhalten spricht eine große, innere Unruhe, ein Getriebensein. Ein Symptom der Zeit ist das Entstehen eines neuen Künstlertypus, der frei und bindungslos, voll unbegrenzter Möglichkeiten, aber auch einsam und alleine auf sich selbst zurückgeworfen ist. Seine Kunst ist jetzt im Wesentlichen nicht mehr Auftragskunst, sondern Kunst um der Kunst willen – sie kommt aus dem Bereich des subjektiven, individuellen Erlebens. Zunächst ereignet sich jedoch eine fast zwanghafte Rückbesinnung auf das Gewesene, eine Renaissance der Kunst von der griechischen Klassik bis zum Barock. Geschichte wird zum Musterbuch in dem man sich nach Belieben bedient. Der Historismus und Eklektizismus in der Kunst bleibt Fassade, Replik. Die historischen Stilmaskeraden des Fin de siècle muten wie ein  nostalgisch-schwelgendes, üppig-aufprotzendes Aufsummieren, ja Aufbäumen abendländischer Kulturleistungen an. Später sollte sich, als Gegenbewegung dazu, der Totalitarismus mit seinen strengen, geraden und sachlich-kühlen Formen durchsetzen.

Ab 1880 setzt sich jedoch in allen künstlerischen Bereichen ein Bestreben durch, das sich in drei Phasen unterteilen lässt: Die erste Periode ist der sogenannte Modernismus, die Richtungen von Impressionismus, Symbolismus, Jugendstil und Expressionismus.

Lichtkult und Ätherisierung: Geschichte des Impressionismus

Der Impressionismus kennzeichnet den Bruch mit dem Konventionellen; es ist nicht nur eine Technik der Malerei, sondern eine Lebens- und Weltanschauung.

Als historischer Beginn dieser Epoche wird das Bild „Impression, soleil levant“ im Jahre 1872 von Claude Monet bezeichnet. Ein  Vorläufer der Moderne, des Lichtkultes, der Ätherisierung, des Subjektiven in der Malerei und gleichzeitig der ausdruckstarken Farben war jedoch Vincent van Gogh (1853–1890).
Als Bewegung erlangten die Impressionisten, die zunächst jedoch als „Les Intransigeants“ (Die Eigensinnigen) beschimpft worden waren, im Jahre 1874 große Bekanntheit, als erstmals eine Gruppenausstellung der Impressionisten im Salon Nadar in Paris stattfand. Von Frankreich aus bereitete sich diese Bewegung dann über Europa und andere Staaten rasch aus. Die Betonung des Augenblicks, das Flüchtige, die Stimmung, welche das Licht hervorzaubert stehen im Vordergrund. Die Ätherisierung, die Entmaterialisierung alles Festen gehen mit einem Verzicht auf religiöse, historische, allegorische oder soziale Themenstellungen einher. Dem Vorwurf der Oberflächlichkeit mussten sich die Impressionisten, ob der Leichtigkeit des Eindrucks (Impression) den ihre Bilder hervorriefen, aussetzen. Der Impressionismus bekannte sich zu einer Sinneslust, einem Licht- und Freiluftkult. Etwas bisher Einzigartiges in der Kunst. Das Elementare der Farbe und ihre berauschende Gemütswirkung wurden zum Selbstzweck. Kunst an sich wurde das Ziel und nicht mehr als Mittel zu bestimmten Zwecken angesehen. („l´art pour l´art“)

Geistige Ausrichtung und Maltechniken

Nicht der Gegenstand an sich war Ziel, Absicht und Objekt der Malerei, sondern das Licht, der Augenblick und dessen Wirkung auf den Menschen; deshalb gab es keine klare Linienführung , sondern das Gewicht wurde auf die Lichtreflexe gelegt. Der Eindruck, nicht der Naturalismus, also die wirklichkeitsgetreue Abbildung, wurde versucht einzufangen: So sprach Vincent van Gogh von den „blauen Tönen und heiteren Farben“ in Arles, die er bestrebt war, einzufangen. Die Impressionisten malten daher vornehmlich im Freien. Die industrielle Fertigung von Ölfarben (Azofarben, Teerfarbe) hatte dies jedoch erst ermöglicht. Auch gab es vor Mitte des 19. Jahrhunderts noch gar keine Ölfarben in Tuben. Fast alle Impressionisten betrieben eine „alla-prima“ Malweise, bei der die Farben direkt auf die Leinwand aufgetragen wurden, ohne Grundierung; die Farben wurden mitunter auch nicht auf der Palette gemischt, sondern direkt auf der Leinwand. Sie bevorzugten (siehe van Gogh als einer der ersten) helle, reinbunte Farben, die sie geradezu kommaartig (virgulisme) nebeneinander setzten. Die Pinselführung war dadurch zu erkennen.
Den Betrachter zwingt es zu eigener Sehleistung und Empfindung; manche Bilder vibrieren geradezu im Auge des Betrachters. Sie werden lebendig.

Berühmte Vertreter des Impressionismus

Claude Monet, Èdouard Manet, Auguste Renoir, Camille Pissaro, Alfred Sisley, Edgar Degas und Paul Cézanne, um nur die bekanntesten Maler dieser Epoche von etwa 1871 bis 1914 zu nennen. In Deutschland zählten Maler wie Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth zu den Impressionisten.

Max Liebermann

Die deutschen Maler entwickelten einen eigenen Stil. Max Liebermann (1847–1935) gelang es, unter Einfluss der niederländischen und venezianischen Kunst in der Malerei das Licht auch in geschlossenen Räumen beeindruckend darzustellen. „Wenn Sie, mein lieber Manet es sind, der uns die Geheimnisse des Freiluftlichts offenbarte, so versteht es hingegen Liebermann, das Licht in geschlossenen Räumen zu belauschen“ schrieb der Sammler Ernest Hoschedé. Auch verzichtete Liebermann in seiner frühen Schaffenszeit nicht auf kompositorische Mittel und soziale Sujets. – In den 1890er Jahren kam es zum endgültigen Bruch (Secession) zwischen der reaktionären Kulturpolitik des deutschen Kaiserreiches und fortschrittlichen Kräften in der Kunst. Kopf einer unabhängigen künstlerischen Bewegung wurde 1898 Max Liebermann in Berlin. Die Hauptstadt des deutschen Reiches entwickelte sich zum Kulturmittelpunkt. Ab 1910 entwickelte sich der Expressionismus in der Kunst jedoch zur führenden Rolle  und Liebermann wurde nun zum Feindbild eines impressionistischen Secessionsvorstandes, wie zuvor die reaktionäre Akademieleitung. 1920 übernahm er sogar das Amt eines Präsidenten der Akademie der Künste und stand dem Expressionismus, sowie den anderen modernen Strömungen in der Kunst wohlwollender gegenüber. „Wer selbst in seiner Jugend die Ablehnung des Impressionismus erfahren hat, wird sich ängstlich hüten, gegen eine Bewegung, die er nicht  oder noch nicht versteht, das Verdammungsurteil zu sprechen.“ Seine Alterswerke spiegeln hingegen die Leichtigkeit und Schönheit des Impressionismus wider; auch entwickelte er den Impressionismus in der Porträtmalerei weiter. Max Liebermann war einer der größten und geehrtesten deutschen Maler, der 1933 seine öffentlichen Ämter niederlegte, da er als Jude zur Bedeutungslosigkeit erniedrigt wurde.

Von der Auftragskunst zum modernen Kunstmarkt

Mit dem Impressionismus verbindet sich auch der Wandel von der bisherigen Auftragskunst und den Salons hin zum modernen Kunstmarkt über die Galerien. Van Gogh zählt zu einem der ersten Künstler, die sich von der Auftragskunst lossagten. Ihm folgten viele weitere Künstler. Oberstes Ziel der Kunst war es nunmehr, sich als Künstler mit seiner Kunst einen Namen zu machen und nicht einem Handwerker gleich lediglich einen bezahlten Auftrag auszuführen.

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