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Dadaismus

Verfasst von Ivo Haarmann am Samstag, 01 Dezember 2012. Veröffentlicht in Kunststile

Der Kunststil Dadaismus

Dadaismus

Kunst ist, was du draus machst. So oder so ähnlich lässt sich wohl die Wirkung eines Kunstwerkes auf das eigene Gemüt beschreiben. Was bei einem selbst vielfältige Emotionen oder vielleicht Assoziationen auslösen kann, ist für einen anderen eine bloße Anreihung von Pinselstrichen, die keinen Sinn ergeben.
Die eigene Interpretation und das eigene Verständnis geben in vielen Fällen der Kunst erst ihre wahre Bedeutung. Schon seit vielen Jahrhunderten beschäftigen sich die Menschen mit den Gemälden von Künstlern und entdecken immer wieder neue Kunstrichtungen. Eine davon ist der Dadaismus, der sowohl in der Kunst, als auch in der Literatur zu Hause war.

 

Die Geschichte des Dadaismus

Der Dadaismus wurde im Jahr 1916 von Hugo Ball, Tristan Tzara, Richard Hülsenbeck, Marcel Duchamp sowie Hans Arp begründet. Gründungsort war das Cabaret Voltaire in Zürich. Dieses gehörte Hugo Ball und seiner Freundin Emmy Hennings und wurde mit der Zeit immer mehr zu einem beliebten Treffpunkt internationaler Künstler, bis diese sich dann dazu entschlossen, gemeinsam auf künstlerische Weise gegen das Bürgertum und dessen Werte zu protestieren.
Die Antriebskraft, die hinter dieser künstlerischen und literarischen Bewegung steckte, war die Ablehnung konventioneller Kunst.
Die Strömung bewegt sich schnell von Zürich aus nach ganz Europa und auch nach Amerika. Die Schwerpunkte liegen jedoch jeweils anders. In New York etwa wird sich für die Stellung der modernen Kunst interessiert. In Deutschland jedoch wird die gesellschaftliche Krise im Nachkriegsdeutschland in den Fokus gesetzt.
Die Bewegung bestand bis etwa 1923. Der Begriff „Dada“ stammt dabei aus dem Französischen und gilt als eine kindliche Bezeichnung für Pferde. Zu der Entstehung des Namens der Bewegung sagte einst Hülsenbeck: "Das Wort Dada wurde von Hugo Ball und mir zufällig in einem deutschfranzösischen Diktionär entdeckt, als wir einen Namen für Madame Le Roy, die Sängerin unseres Cabarets suchten. Dada bedeutet im französischen Holzpferdchen. Es imponiert durch seine Kürze und Suggestivität. Dada wurde nach kurzer Zeit Aushängeschild für alles, was wir um Cabaret Voltaire an Kunst lancierten“.
Die damaligen Künstler lehnten die Bezeichnung Dadaismus eigentlich vehement ab, da die Endung „ismus“ darauf hindeutete, dass es sich um eine Kunstrichtung handelte. Denn auch Kunststile wie Kubismus oder Expressionismus verfügten über dieselbe Endung. Und die Dadaisten wollten alles andere als eine gewöhnliche Kunstrichtung ins Leben rufen.

Ziele des Dadaismus

Mittels des Dadaismus sollte gegen die Kunst revoltiert werden. Die Künstler nutzten diese Form der Kunst, um ihrer Abneigung gegen das damals vorherrschende Wertesystem sowie die Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Die Bewegung wandte sich gegen das Bürgertum, das für die „grandiosen Schlachtfeste und kannibalischen Heldentaten“ des Krieges verantwortlich gezeichnet wurde. Diese Formulierung stammt von dem Schriftsteller Hugo Ball.
Der Dadaismus wollte weniger Kunstrichtung, sondern vielmehr Weltanschauung sein. Der Dada Almanach (1920) beinhaltet in seinem Vorwort folgende Aussage: „Da Dada der direkteste und lebendigste Ausdruck seiner Zeit ist, wendet er such gegen alles, was ihm obsolet, mumienhaft, festsitzend erscheint.“ Der Dadaismus spielt sich selbst zum „Parodisten der Weltgeschichte“ auf. Ziel des Dadaismus war es einzelne ursprünglich getrennte Kunstformen wie bildende Kunst und Literatur zusammenzuführen und in einer Einheit zu verbinden.

Die Andersartigkeit dieser Stilrichtung zeigte sich etwa im Jahr 1920 bei einer Ausstellung in Köln. Diese mussten die Besucher durch eine öffentliche Toilette statt durch die regulären Eingangstüren betreten. In den Ausstellungsräumen angekommen, wurden sie aufgefordert, ein zur Verfügung gestelltes Beil zu nutzen, um die Ausstellungsstücke zu zerstören. Diese Ausstellung machte sogar einen kurzzeitigen Polizeieinsatz erforderlich.

Was die Epoche des Dadaismus ausmacht

Logik, Moral und Konventionen fanden im Dadaismus keine Anwendung. Es wurde eine bewusst provokative Antikunst angestrebt, die sich gegen jegliches ästhetisches System richtete. Der Dadaismus ist daher durchaus als kulturkritische Kunstrichtung zu bezeichnen, die die Sinnlosigkeit des Krieges manifestieren sollte.
Alltagsgegenstände wurden von Künstlern des Dadaismus zu Kunstobjekten auserkoren. Die bisherige Kunst wurde in Frage gestellt, indem der Dadaismus ihre Abstraktionen durch satirische Überspitzung zu sinnlosen Ansammlungen puren Unsinns machte. Schönheit und Ästhetik traten in den Hintergrund. Darum ging es bei den dadaistischen Kunstwerken nicht. Das Durcheinander der verwendeten Stilmittel wurde dagegen gefeiert.
Technische Hilfsmittel, die gerne verwendet wurden, waren u.a. Collagen, Holz- und Linoleumschnitten. Moderne Techniken wurden mit Primitivem verbunden. Alles war ein Widerspruch in sich und sollte dies auch bewusst und gewollt sein. Eines der bedeutendsten Schaffensgebiete der Dadaisten waren die Lautgedichte. Diese haben ihre Anfänge im Jahr 1916. Lautgedichte bestehen dabei aus Wörtern, die dekonstruiert und zerstört werden. Übrig bleiben letztlich nur noch einzelne Laute. Diese Art von Gedicht setzt vor allem auf die Akustik. Insbesondere Hugo Ball ist für seine Lautgedichte bekannt. Eines davon ist die „Karawane“.

Dieses lautet:
jolifanto bambla o falli bambla
großiga m'pfa habla horem
egiga goramen
higo bloiko russula huju
hollaka hollala
anlogo bung
blago bung
blago bung
bosso fataka
ü üü ü
schampa wulla wussa olobo
hej tatta gorem
eschige zunbada
wulubu ssubudu uluw ssubudu
tumba ba- umf
kusagauma
ba - umf

Die Lautgedichte spiegeln daher auf besonders beeindruckende Weise die Sinnlosigkeit wieder, die sich der Dadaismus stets auf die Fahne schrieb.

Künstler der Dadaismus Epoche

Zu den Künstlern des Dadaismus zählen Hans Arp, Johannes Baader, Hugo Ball, Marcel Duchamp, Max Ernst, Hans Höch, Francis Picabia, Kurt Schwitters und auch Tristan Tzara.

Der Dadaismus heute

Der Dadaismus verschwand in den 1920ern von alleine aus den Kunstkreisen. Die Phase des Dadaismus war somit relativ kurz, aber dafür umso prägnanter. Denn diese sogenannte Anti-Kunst trug zur Entwicklung anderer Kunstrichtungen bei, so etwa zu dem Surrealismus.
Kunstwerke des Dadaismus sind auch heute in vielzähligen Ausstellungen und Galerien zu finden und dienen als Inspiration heutiger Künstler. Damit ist im Prinzip das eingetreten, was die Dadaisten immer verhindern wollten. Ihre Bilder hängen nun neben Gemälden von Picasso, Klee und anderen bedeutenden Künstlern. Sie wollten eigentlich anders sein als alle anderen, haben sich aber letztlich doch schlicht und einfach etabliert.
Ein gewisser Einfluss des Dadaismus ist auch heute noch festzustellen, insbesondere bei den aktuell Kulturschaffenden. So ist dadaistisches Gedankengut festzustellen bei dem Künstler Helge Schneider, dessen Improvisationen und Wortspielereien dadaistische Assoziationen wecken. Auch die Musikband Freundeskreis verwendete einige dadaistische Stilelemente in der Lyrik ihres Debütalbums „Quadratur des Kreises“. So ist etwa zu hören „Anna, wie war das bei Dada“, oder auch „...les Dada, wenn ich auf meinem Bett hock....“.

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