WebKunstgalerie Kunstportal für Künstler und Kunstinteressierte

Abstrakte Kunst

Verfasst von Ivo Haarmann am Freitag, 30 November 2012. Veröffentlicht in Kunststile

Der Kunststil Abstrakte Kunst

Abstrakte Kunst

Bei der Frage, was Kunst eigentlich ist, wird immer wieder gern die Definition Oscar Wild's herangezogen: demnach ist Kunst das einzig Ernsthafte auf der Welt, während der Künstler der ist, der nie ernsthaft ist.
Hier zeigt sich, wie widersprüchlich Kunst eigentlich sein kann, aber auch, dass sich keine feste Definition für sie finden lässt. Dies würde wohl auch den Sinn der Kunst eher unterlaufen, denn Kunst ist etwas zutiefst Subjektives.
Das eigene Empfinden alleine entscheidet, was als schön, kunstvoll und ästhetisch empfunden wird. Was in einem Selbst Emotionen auslöst, kann für einen anderen Betrachter lediglich ein simpler Gegenstand sein.
Wenn wir an Kunst denken, sind es vor allem die großen Gemälde der bekannten Künstler, die einem in der Regel in den Sinn kommen. Ausgestellt in weltberühmten Museen und Galerien, warten sie darauf, von Kunstliebhabern aus aller Welt bewundert zu werden. Manch ein Bild hat bereits Jahrhunderte überlebt und vermittelt heute noch dieselbe Geschichte wie damals, auf die gleiche Weise faszinierend, auf die gleiche Weise persönlich.
Eine dieser bekannten Epochen, die einmal mehr gezeigt hat, dass sich Kunst jeglichem festen Schema und verbindlichen Angaben entzieht, ist die Epoche der abstrakten Kunst.

 

Die Geschichte der abstrakten Kunst

Abstrakte Kunst wird auch gern als gegenstandslose Kunst bezeichnet, was ihr Wesen im Kern sehr gut beschreibt. Entwickelt hat sich diese Kunstrichtung Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Maler begannen, die reale Welt, so wie sie wahrgenommen wurde, anders wiederzugeben und zu interpretieren. Doch oftmals wird abstrakte Kunst nicht als Erfindung des 20. Jahrhunderts angesehen. Ihre Wurzeln sollen bereits viel früher liegen. So war die bildliche Darstellung menschlicher Wesen in der jüdischen sowie in der islamischen Religion verboten. Es wurde daher ein hoher Standard der dekorativen Kunst entwickelt. Selbst Kalligraphie zählt als eine Form der abstrakten, gegenstandslosen Kunst.
Abstrakte Kunst ist daher eine Loslösung von der gegenständlichen Darstellung. Mittels Farb- und Formkompositionen werden neue Wirklichkeiten erschaffen. Diese Wirklichkeiten sind eigene Wirklichkeiten des Künstlers und in der Welt der benennbaren Dinge so nicht sichtbar.


Ziele der abstrakten Kunst

Mit der abstrakten Kunst sollte damals die vorherrschende bürgerliche Kunstauffassung überwunden werden. Es war wie eine kleine Revolution über Traditionen.
Die abstrakte Kunst will mehr Möglichkeiten der Darstellung bereitstellen. Sie bedeutet eine größere künstlerische Freiheit. Ein Baum muss hier nicht mehr zwingend aus einem Stamm und Ästen bestehen. Eine abstrakte Darstellung eines Gegenstandes, eines Tieres oder einer Landschaft erfordert vom Betrachter eine besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk. Die Künstler wollen erreichen, dass die Betrachter die Botschaft selbst herausfinden und für sich selbst entdecken, was der Künstler damit mitteilen will. Denn abstrakte Kunst sagt auch stets viel über die Innenwelt des Künstlers aus und lässt sehr viel Platz für Assoziationen und Interpretationen.
Da das Kunstwerk über keinen direkten Bezug zur Wirklichkeit verfügt, kann es bei der eigenen Deutung auch kein richtig oder falsch geben. Die Künstler möchten hier ihre eigene Kreativität in den Vordergrund stellen, daher ermöglicht das Kunstwerk meist keine Vergleiche zu Formen und Figuren in der Natur.
Um den Betrachtern jedoch eine Hilfestellung zu geben, verfügen die Kunstwerke oft über eine schriftliche Legende. Diese enthält Hinweise darauf, was der Künstler beim Erschaffen seines Werkes dachte oder fühlte. Kunstliebhaber jedoch haben diesbezüglich ihre eigene Meinung, denn wenn Werke bildender Kunst, die den Zweck verfolgen, ein visuelles Erlebnis mitzuteilen, auf eine zusätzliche, wort- und umfangreiche Äußerung angewiesen sind, damit sie mitteilbar werden, wird darin ein Mangel an Ausdrucksform oder auch ein fehlendes künstlerisches Erlebnis gesehen.

Künstler, die die abstrakte Kunst prägten

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gilt die Schwedin Hilma af Klint als erste Künstlerin, die sich der abstrakten Malerei widmete. Dies berichtete die Zeitung in einem Artikel im April 2011. Hilma af Klient nahm diese Kunstrichtung demnach bereits in den Jahren 1906/07 auf.
Wassily Kandinsky (1866-1944) und Francis Picabia (1879-1953) werden ebenfalls als wichtige Mitbegründer der Epoche der abstrakten Kunst angesehen und schufen ihre abstrakten Kunstwerke etwa ab dem Jahr 1911. Insbesondere Kandinsky gilt als einer der Maler, die einen radikalen Schlussstrich unter die abbildende Funktion der Malerei gezogen haben.
Was die skulpturale und plastische Kunst betrifft, hat sich auch hier die Kunstrichtung der abstrakten Kunst durchgesetzt, jedoch erst wesentlich später. Die Bildhauer Alexander Archipenko und Henry Moore werden hier als Pioniere diesbezüglich angesehen.


Was die abstrakte Kunst ausmacht

In den Anfangszeiten der abstrakten Kunst kristallisierten sich schnell zwei Hauptströmungen heraus. Zum einen diese, die sich vom Expressionismus entwickelte, die emotional geprägt war und bei der die Künstler die völlige Ablösung vom Gegenständlichen anstrebten.
In der abstrakten Kunst gab es demnach kein naturalistisches Motiv. Es wurde sich lediglich auf drei bildnerische Faktoren beschränkt. Dies sind Farbe, Form und Material.
Künstler, die sich auf diese Weise für ihre Werke inspirieren ließen, waren Hans Hartung, Ernst Wilhelm Nay und Wassily Kandinsky.
Neben der expressionistischen Strömung entstand etwa zeitgleich eine abstrakte Kunstform, die sich vom Kubismus inspirieren ließ. Typisch hierfür war, dass sie als eher geometrisch und intellektuell anzusehen war. Piet Mondrian, Kasimir Malewitsch, Frantisek Kupka oder auch Michail F. Larionow widmeten sich dieser Kunstform. Es entstand eine Weiterentwicklung zur sogenannten Post-Painterly Abstraction. Darunter sind Kunstwerke zu verstehen, die geometrische Formen ohne jedwede persönliche Handschrift des Künstlers auskommen.
Schlagen die abstrakten Kunstwerke eine Wendung ins Geometrisch-Konstruktive ein, wird von Konstruktivismus gesprochen. Abstrakte Werke stellen in jedem Fall eine autonome künstlerische Aussage dar, die ohne Bezug zur Außenwelt auskommt und so auch ihre Wirkung entfaltet.

Die abstrakte Kunst heute

Abstraktion ist bis heute ein fester Bestandteil der Kunst und wird als Gegenpart zur Figuration angesehen.
Vor einigen Jahren wurde diese Art der Kunst sowie ihre Erschaffer noch als mehr als etwas Spezielles angesehen, das nur einem Liebhaberpublikum vorbehalten war, das es auch zu schätzen wusste.
Mittlerweile jedoch sind abstrakte Kunstwerke ein fester Bestandteil in jeder Ausstellung und Galerie. Die ungegenständliche Kunst ist geradezu allgegenwärtig. Selbst Poster und Drucke mit abstraktem Muster werden als Massenprodukt von bekannten Einzelhandelsketten angeboten und von den Kunden auch gerne gekauft. Auch die abstrakte Darstellung von Bildwerken ist gerade in Städten noch weit verbreitet. So finden sich immer wieder geschaffene Skulpturen, die zumindest von einer abstrakten Denkweise geprägt sind und ihre Botschaft oft erst auf den zweiten Blick vermitteln.

Social Bookmarks

Bitte Kommentar schreiben

Bitte einloggen, um einen Kommentar zu schreiben.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok